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Geflügel artgerecht halten.
Alice Stern
Preis: EURO 9,90
Sondereinband
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Die Nahrungsaufnahme
Die Hauptnahrung der Hühner besteht leider nicht aus dem Naturfutter im Auslauf, sondern aus dem zugefütterten Körnerfutter, welches meist aus Weizen, Mais, Gerste oder Hafer besteht.
Bei der Aufnahme eines Korns muss das Huhn den Kopf so weit zurücknehmen, dass es es mit beiden Augen sehen kann. Hat es so seine Lage fixiert, stößt es zielgerecht zu.
Trifft es daneben, muss erst der Kopf wieder zurückgenommen und das Korn erneut fixiert werden.
Die Körner, wie auch alles andere Futter, gelangen nach der Aufnahme in den Kropf, den körpereigenen Vorratsbehälter. Die Bereitwilligkeit des Huhns, ein Korn aufzupicken, hängt von dessen Größe ab. Das Huhn besitzt nämlich einen angeborenen Sinn für die seinem Schluckapparat angemessene Größe des Kornes.
Erst Erfahrung, Neugier, Hunger oder das Beispiel eines anderen Huhnes bringen ein Huhn dazu auch größere Körner, wie zum Beispiel Mais, aufzupicken. Um diese neue Erfahrung reicher, verzehren sie dann die größeren Körner sogar als erste, wahrscheinlich um ein schnelleres Sättigungsgefühl zu erreichen.
Beim Fressen spielt Geschmack keine große Rolle, denn der Geschmackssinn ist bei Hühnern nur sehr schwach entwickelt. Dagegen scheint der Geruchssinn sehr stark ausgeprägt zu sein.
Um zu trinken müssen die Hühner den Schnabel tief in das Wasser tauchen; dann schnellen sie den Kopf hoch in den Nacken und lassen es die Kehle hinunter rinnen. Diesen Trinkvorgang führen vorzugsweise mehrere Tieren gleichzeitig und im selben Rhythmus aus.

Das Temperaturempfinden
Die Körpertemperatur des Huhns liegt bei 39,8 ° C bis 43,6 °C. Sie wird durch die Zirbeldrüse im Gehirn geregelt.
Um 16 Uhr ist sie Temperatur am höchsten, um 24 Uhr am niedrigsten.
Da Hühner keine Schweißdrüsen besitzen wird große Kälte wird leichter ertragen als Temperaturen über 28 °C. Um sich Abkühlung zu verschaffen sperren sie den Schnabel bei warmen Temperaturen weit auf und heben die Flügel leicht an, damit Luft darunter dringen kann.
Häufig tauchen sie den Schnabel in kühles Trinkwasser, um so das Blut in der Halsschlagader zu kühlen.
Der Gesichtssinn
Da das Wildhuhn im Wald lebt, ist sein Auge auf 5 Meter Nahsicht für Körner und kleinere Gegenstände und auf 50 Meter Fernsicht für größere Gegenstände eingestellt.
Darum entfernt sich auch das Haushuhn nur sehr ungern weiter als 50 Meter vom Stall.
Für das räumliche Sehen muss ein Gegenstand immer abwechselnd mit dem linken und dann mit dem rechten Auge angesehen werden. Dadurch entsteht der typische Zickzackgang des Geflügels, welcher ermöglicht, das Gleichgewicht zu halten.
In der Helligkeit kann das Huhn Farben sehr gut unterscheiden, Dunkelheit schränkt das Sehvermögen jedoch sehr stark ein.
Eine Besonderheit: Die Vibrationsorgane
Eine Besonderheit beim Geflügel sind die Vibrationsorgane.
Sie befinden sich vor allem an den Beinen, sind aber auch auf der übrigen Haut verteilt. Sie nehmen Schwingungen des Bodens und der Luft wahr, wodurch Feinde sehr schnell erkannt werden können.
Man merkt dies auch, wenn man sich abends in der Dunkelheit zum Hühnerstall schleicht. Obwohl man völlig lautlos ist, kann man sofort das Warngackern des Hahnes hören.

Die Kommunikation unter Hühnern und ihr Verhalten
Das Gehör der Hühner ist sehr gut entwickelt.
Es gibt über 30 verschiedene Lautäußerungen, mit denen sie sich verständigen. Dies beginnt schon bei der Kommunikation zwischen Henne und Küken im Ei, die etwa 24 Stunden vor dem Schlupf einsetzt.
Das Küken piept in langgezogenen, hohen Tönen, die Glucke antwortet mit tiefen, ruhigen Glucklauten.
Laute, lange, zum Schluss gesenkte Pieplaute des Kükens sagen der Mutter, dass es sich verlaufen hat.
Sie antwortet darauf mit schnellen, langen Glucklauten, die dem verlassenen Küken die Richtung angeben.
So können sich Mutter und Küken bis auf eine Entfernung von 20 Metern verständigen. Die Küken erkennen ihre Glucke aus vielen anderen Lautäußerungen heraus.
Außerdem besitzen sie Warn- und Angsttriller, auf die die Mutter reagiert.
Auf die Verlassenheit eines anderen reagieren die Küken jedoch nicht.
Die Glucke lockt mit kurzen tiefen Tönen zum Futter, und unter das Gefieder dürfen sie, wenn diese lange, tiefe Locktöne, von kurzen hohen unterbrochen, von sich gibt.
Sie reagieren darauf durch eises Gezwitscher des Wohlbefindens.
So kommunizieren die Küken auch untereinander.
Im Alter von 3 4 Monaten versuchen die Junghähne Kampflaute der Erwachsenen nachzuahmen, die Junghennen üben sich im Eierlege-Gegacker.
Junghähne ohne Gluckenschutz beginnen mit dem Krähen, das sich anfangs eher nach Krächzen anhört, viel später, da sie durch die Erwachsenen so eingeschüchtert sind. Erwachsene Hähne krähen hauptsächlich als Zeichen ihrer Macht das Hauptgekrähe setzt zum Glück erst gegen 9 Uhr ein.
Leichte Rassen haben einen hohen, schwere Rassen einen tiefen Krähton. Neben dem Krähen können die Hähne noch viele andere Laute äußern.
So unterscheidet sich beispielsweise der Laut für einen Feind aus der Luft deutlich von dem für einen Feind auf dem Boden.
Mit ähnlichen Lauten wie die Glucke bei ihren Küken, lockt der Hahn die Hennen zum Futter.
Zudem gibt er den ganzen Tag brummend-gluckernde Laute von sich, mit denen er die Hennen auffordert, ihm zu folgen, was diese darauf auch tun.
Hennen gackern aufgeregt, wenn sie ein Ei gelegt haben.
Vielleicht tun sie dies, um den Anschluss an ihre Herde wiederzufinden, denn der Hahn kommt sofort angerannt, wenn eine Henne im Stall zu gackern anfängt.
Er fliegt meist sogar auf das Nest der Henne und wenn sie es verlässt wird sie von ihm sogleich getreten.
Danach sucht er mit ihr den Anschluss zur Herde. Das Gackern nach dem Legen kann aber auch andere Gründe haben.
Die Hühner sind nach dem Legen stolz auf sich und zeigen mit hoch erhobenem Kopf, was sie geleistet haben.
Das Gackern unterstützt dabei die Aufmerksamkeit der anderen Hühner.
Rangniedere Hennen gackern meist nicht sehr laut, weil sie vielleicht nicht so sehr auf sich aufmerksam machen wollen, da die anderen Hühner dies nicht duldeten.
Der Hahn zeigt der Henne häufig das Nest, indem er sie mit speziellen Rufen lockt.
Allerdings scheint es hier auch des öfteren Kommunikationsschwierigkeiten zu geben, so dass ein Hahn aufgeregt auf ein Nest lockt, aber nirgends eine Henne zu sehen ist. Er will eben angeben.
Es geschieht zum Beispiel auch oft, dass Futter im Stall ist und alle Hennen bereits fressen. Kommt der Hahn hineinstolziert, so lockt er sofort aufgeregt, als wäre er der erste gewesen, der das Futter entdeckt hat.

Als Zeichen des Wohlbefindens geben die Hennen leise, singende Laute von sich. Die hier aufgeführten Lautäußerungen sind aber nur ein kleiner Überblick über den Wortschatz der Hühner, wobei interessant ist, dass der Wortschatz der Haushühner den der Wildhühner weit übertrifft.
Körperpflege und Komfortverhalten
Neben allen aufregenden Ereignissen des Tages finden die Hühner aber auch Zeit für ruhigere Beschäftigungen.
Nach dem morgendlichen Hoch zwischen 5 und 7 Uhr folgt eine Phase des Komfortverhaltens. Sie setzen sich gerne unter einen Busch und putzen ausgiebig ihr Gefieder.
Dazu brauchen sie völlige Ungestörtheit und Ruhe, um sich auch an schwer zu erreichenden Körperstellen zu putzen. Dabei wird das Gefieder mit einem Sekret aus der Bürzeldrüse eingefettet.
Über Mittag liegen die Hühner vor allem bei schönem Wetter gern im Staub und baden ausgiebig darin. Der Hahn badet jedoch nur selten, dafür ist er zu stolz, und außerdem muss er schließlich auf die Herde aufpassen.
Die Hühner legen sich auch sehr gerne an einen Platz in der Sonne ohne darin zu baden. Sie spreizen dann einen Flügel genüsslich ab.
Dies kann man vor allem im Frühling bei den ersten Sonnenstrahlen beobachten, wobei man den Tieren ihre Freude und Zufriedenheit so richtig anmerkt.
Am Abend kehrt endgültig Ruhe ein
Nach dem zweiten Aktivitätshoch gegen 17 Uhr, wenn der Kropf für die Nacht gefüllt wurde und der Hahn seine Hennen begattet hat, begeben sich die Hühner im Sommer um etwa 20 Uhr auf die Stangen in den Stall.
Nur in ihrer vertrauten Gruppe fallen die Hühner in Schlaf. An fremden und bedrohlichen Orten können sie nicht einschlafen.
Auf den Sitzstangen sitzen die Hühner in sehr engem Abstand zueinander. Die Rangordnung ist dann aufgehoben.
Nur wenn die Stangen unterschiedlich hoch sind oder die Hühner andere Gründe haben, einen Teil der Stange zu bevorzugen, sitzt der Hahn mit den ranghöchsten Hennen am besten Platz.
Häufig gehen dann rangniedere Hennen schon früher in den Stall um sich einen guten Platz zu reservieren.
Von dort werden sie aber gleich wieder weggepickt, wenn die stärkeren Tiere kommen.
Erst bei Dunkelheit und vollkommener Ruhe stecken die Hühner mit geschlossenen Augen den Kopf unter den Flügel und schlafen ein.

Die Rangordnung
Hühner haben eine genau festgesetzte Rangordnung.
Sie entscheidet, wer die besten Schlafplätze bekommt, wer zuerst fressen darf, usw.
Oft sieht man auch, wie ein Huhn das andere scheinbar grundlos leicht auf den Kopf pickt, nur um ihm zu zeigen, dass es ranghöher ist.
Das meiste Gehacke findet auf den Schlafstangen statt, wie gesagt aber nur, wenn sie unterschiedliche Gegebenheiten haben. Auf den Stangen werden vor allem Junghühner oder Neulinge andauernd gepickt, und es kann oft 15 Minuten dauern, bis jede ihren Platz eingenommen hat.
Fast immer hat der Hahn die höchste Position inne.
Die Rangordnung der Hühner ändert sich nur selten, was vor allem auf die Angst vor dem stärkeren Tier zurückzuführen ist. Man sieht dies deutlich bei Junghähnen. Körperlich wären sie den Hennen schon lange überlegen, doch trotzdem trauen sie sich noch nicht, mit ihnen zu kämpfen.
Erst relativ spät wagt es ein Junghahn eine Henne zu vergewaltigen und sie kann sich dann kaum mehr wehren, da der junge Hahn einfach stärker ist. Dies kommt jedoch nur vor, wenn der Junghahn in einer Schar ist, in der vorher kein anderer Hahn gelebt hat. Sonst wird der Junghahn sofort vom Althahn vertrieben, und wird, wenn er nicht deutlich größer ist als dieser, nie die Position des Chefs einnehmen können. Auch dies hängt wieder mit seiner Angst zusammen.
Interessant ist, dass sich rangniedere Hennen viel öfters vom Hahn treten lassen als ranghohe. Wahrscheinlich sind ranghohe Hennen zu stolz, um sich dem Hahn öfters zu unterwerfen.
Normalerweise sind den Hühnern die Rassen ihrer Artgenossen egal. Bei mir selbst habe ich jedoch etwas Interessantes erlebt. Ich hatte 6 normalgroße Italienerhennen und einen etwas kleineren rasselosen Hahn und zwei Hennen gleicher Abstammung. Diese beiden kleinen Hühner waren immer die Lieblingshühner des Hahnes, und er umwarb sie den ganzen Tag und schlief nachts neben ihnen auf der Stange. Die Italiener lockte er zwar auch und er trat sie auch hin und wieder, doch er umwarb sie nur selten. Auf der Stange biss er sie sogar.
Dann ließ ich Eier von ihm und einer der kleinen Henne ausbrüten, und es gab eine Junghenne, die im Alter von 5 Monaten zu der alten Schar kam. Die Henne gehört folglich zur Rasse des Hahnes. Auf der Stange begrüßte er sie auch sogleich freudig und setzte sich neben sie, obwohl sie das erste Mal da war.
Ist doch faszinierend, dass der Hahn erkennt, welche Henne ihm ähnlich ist und zu ihm passt, ohne das Tier vorher schon einmal gesehen zu haben.
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